Stützpunkt Inntal - Therapeutisches Klettern

Introduction

Inklusive Kletterfreizeit Fränkische Schweiz

Inklusive Kletterfreizeit Fränkische Schweiz

Pottenstein, Fränkische Schweiz  -  9.- 14. Juni 2019

Reise gen Norden

In den Pfingstferien veranstaltete der Stützpunkt Inntal e.V. eine inklusive Kletterfreizeit in der Fränkischen Schweiz. Nachdem es in den vergangenen Jahren zumeist nach Süden Richtung Österreich und Südtirol ging, wollten wir einmal die Kletterei des fränkischen Lochkalks ausprobieren.

Von Raubling aus ging es im Kleinbus mit acht Jugendlichen und jungen Erwachsenen begleitet von zwei/drei ehrenamtlichen Trainern gen Pottenstein, wo wir in der Jugendherberge unser Basislager bezogen.

Ankunft Basislager

Die Jugendherberge ist wunderschön am Ortsrand oberhalb Pottensteins gelegen und komplett von Grün umgeben. Sie bietet jede Menge Raum und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, das Essen ist toll und das Personal ist fränkischer Tradition gemäß unglaublich gastfreundlich. Damit war sie idealer Ausgangspunkt für unsere Kletterfreizeit.

Schon auf der Fahrt und am Anreiseabend wurden Pläne für die Woche geschmiedet, natürlich stand dabei das Klettern am Fels ganz oben auf der Wunschliste der Inntaler Stützpunktler, zumal die Wetterprognose ebenfalls nach Urlaub klang.

Auftakt am Wolfstein

Für den ersten Tag wurde der Wolfstein bei Bärnfels als Ziel auserkoren. Eher kürzere, leichte Lochklettereien mit ausreichend Platz am Wandfuß, um sich mit dem neuen Terrain in Ruhe vertraut zu machen. Und das klappte besser als gedacht: „Rübezahl“ (4-), „Hase und Igel“ (5) und „Hans im Glück“ (5+) waren unsere ersten Versuche in der weißgrauen Vertikale. Dabei wurde auch schnell klar, dass Zahlen Schall und Rauch sind, und ein 4er am Fels eben etwas anderes ist, als ein vermeintlich schwererer 5er in der Halle.

Es folgten über den Tag noch „Froschkönig“, „Schneewitchen“, und „Böser Wolf“ in den leichteren Graden, bevor sich einige Kletterer noch mit „Tapferes Schneiderlein“, der „Nordkante“ und dem „Sterntaler“ an schwierigeren Touren Finger und Arme langzogen.

Der Tag verging wie im Flug und plötzlich waren es sieben Stunden am Fels und es ging zurück in die Jugendherberge. Nach diesem langen Tag passierte nicht mehr viel: Essen, Planung für den nächsten Klettertag, kurzes Ratschen und ab in die Betten.

Die Breitenstein Südwand

Der nächste Morgen brachte wieder Sonnenschein und nach dem Frühstück brachte uns eine kurze Autofahrt zur Breitenstein Südwand bei Gößweinstein. Diese ist nach kurzem Anmarsch erreicht, liegt in einem wunderschönen Buchenmischwald und bietet wieder gut abgesicherte Plaisierkletterei in perfektem Lochkalk.

Wir waren die ersten Kletterer am Fels und wunderten uns schon - doch wie im Kletterführer beschrieben blieb das an dieser beliebten Wand nicht lange so. Nichtsdestotrotz konnten die Trainer wieder vier Toprope-Seile einhängen und bald tummelten sich die Stützpunkt-Seilschaften in „Löwe“ (4) und „Stier“ (3+), „Jungfrau“ (5+) und „Pfeilerweg“ (6+).

Nach der Brotzeit am Wandfuß wurde es dann wieder steiler und kleingriffiger im „Schlingenweg“ (6+), „Je t'aime“ (7-) und „Gelber Kante“ (6). Auch wenn nicht jede Tour bis zum Umlenkpunkt geklettert werden konnte, hatten doch alle viel Spaß und konnten jede Menge Erfolgserlebnisse verbuchen.

Nach dem langen ersten Tag verließen wir den Breitenstein am frühen Nachmittag und ließen den Tag im „Basislager“ Pottenstein mit einem Lagerfeuer und Stockbrot und vielen Erzählungen ausklingen.

Wandertag ins Püttlachtal, zu Himmelsleiter und Hasenloch

Am Mittwoch hatten wir einen Kletter-Ruhetag eingeplant. Stattdessen trugen uns Schusters Rappen ins obere Püttlachtal. Das malerisch grüne Tal schlängelt sich durch Wald und Fels an Pottenstein vorbei und bietet eine einfache, aber herrlich erholsame Wandertour.

Wir machten Brotzeit an einer Kneipp-Anlage, erfrischten uns dort die Füße und erklommen anschließend noch den 38 Meter hohen Aussichtsturm „Himmelsleiter“. Von oben genossen wir die weite Aussicht über das fränkische Hügelland.

Zum Abschluss suchten wir noch die „Große Hasenloch-Höhle“ auf. In dieser hatten schon frühzeitliche Jäger und Sammler gehaust, was Funde von Großwildknochen wie Auerochs, Nashorn und Tiger und frühmenschliche Gerätschaften, welche bei Ausgrabungen gefunden wurden, bezeugen.

Nach den insgesamt über zehn km Fußmarsch hatten wir uns ein Eis in Pottenstein redlich verdient. Zurück an der Herberge spannten wir zwei Slacklines und einige probierten den Balanceakt auf den schmalen Bändern. An den zwei Tischtennis-Platten pingpongten die Bälle derweil auch intensiv.

Hoch hinaus an der Stierberger Gemsenwand

Mit ausgeruhten Fingern und Armen konnte am Donnerstag wieder das Kraxeln in Angriff genommen werden. Unser Ziel für den Tag war die Stierberger Gemsenwand. Die eindrucksvolle Mauer mit bis zu 30 Meter langen Routen ist durch einen hohen Buchenwald gut vor der Sonne geschützt und damit ideal für heiße Sommertage.

Die Kletterei in den langen Touren erforderte Ausdauer und anhaltende Konzentration sowohl von den Kletterern als auch den Sicherungsteams am Boden. Wie die Tage zuvor waren aber alle aufmerksam und konzentriert bei der Sache.

Die Highlights des Tages bildeten sicherlich „Wolfis Warmup“ (5+) und die „Weiße Verschneidung“ (6-), zwei Traumtouren mit anspruchsvoller Länge. Daneben gab es mit „linkem und rechtem Vorturmweg“ noch zwei kürzere Routen mit kniffligen Schlüsselstellen, die dazu aufriefen, in die Trickkiste des Kletter-ABC zu greifen.

Mehrere Partien Wikingerschach und Tischtennis ließen diesen erlebnisreichen Klettertag zurück in der Herberge ausklingen. Den Abschlussabend verbrachten wir mit Memory-Spiel, „Halt mal kurz“ und nochmals ausgiebigen Gesprächen über die erlebnisreichen letzten Tage.

Abschied am Lindenstein

Unglaublich schnell war der letzte Morgen mit Frühstück und Verabschiedung von der Jugendherberge angerückt. Wie schnell doch so eine Freizeit mit Freunden verfliegt!

Aber noch hatten wir einen halben Klettertag vor uns, bevor es heimwärts gehen sollte. Der Lindenstein bei Allersdorf liegt nah am Campingplatz Komershof und erfreut sich mit kurzen Routen in bestem Gestein insbesondere bei Familien großer Beliebtheit.

Wie erstaunt waren wir, als wir ihn für uns allein vorfanden. Und daran änderte sich auch die nächsten Stunden nichts! Wir konnten noch einmal aus dem vollen schöpfen, was Platz und Wahl der Kletterei angeht. Und obwohl nach einer Kletterwoche doch der eine oder andere Finger etwas müde geklettert war, gab jeder noch einmal sein Bestes und wir konnten uns mit „Hexenmeister“, „Leerstettener Turm“ (beide 4+), „1993“ (schöne 4- Verschneidung), „F. Köhler Gedächtnisweg“ (5) und „Frankenländer Weg“ (6) noch einige tolle fränkische Spezialitäten einverleiben.

Heimwärts

Die Heimfahrt bei warmem Sommerwetter war relativ ruhig, eine zufriedene Müdigkeit machte sich im Kleinbus breit, und wer nicht schlief, hing in seinen Gedanken den vergangenen Tagen und gekletterten Wegen nach.

Als Fazit bleibt mit Sicherheit: Draußen ist anders, draußen ist toll! Es war eine intensive und reiche Woche für die Kletterer vom Stützpunkt Inntal e.V.

Danke, Fränkisches Felsenland! Wir kommen sicher wieder!“

previous arrow
next arrow
previous arrownext arrow
Slider