Stützpunkt Inntal - Therapeutisches Klettern

Introduction

Hütten-Gaudi Niederbreitenbach Oktober 2018

Hütten-Gaudi Niederbreitenbach Oktober 2018

Inklusionsveranstaltung des Klettervereins Stützpunkt Inntal e.V. und JDAV Sektion Prien

28. - 30. Oktober 2018 Niederbreitenbach, Tirol

Was kommt wohl dabei heraus, wenn 16 Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap gemeinsam für zwei Tage eine DAV-Hütte im Tiroler Inntal beziehen und von dort Ausflüge in die Umgebung unternehmen? Richtig – eine launige Hüttengaudi!

Die Anreise

Ende Oktober mit Beginn der Herbstferien war es wieder einmal soweit: auf dem Parkplatz in Raubling versammelten sich Kletterkids des Stützpunkt Inntal e.V. und verabschiedeten sich aufgeregt und voller Erwartung von ihren Eltern. Es ging – für manche das allererste Mal – ganz allein ohne die Familie mit dem Verein für zwei Übernachtungen nach Niederbreitenbach bei Wörgl in Tirol. Und ebenfalls das erste Mal waren gemeinsam mit dem Stützpunkt e.V. auch noch fünf Teenager des JDAV Prien bei dieser Inklusionsveranstaltung mit von der Partie.

Die Anreise von Raubling nach Niederbreitenbach erfolgte mit vorher organisierten Fahrgemeinschaften, bereits auf der Fahrt ging es mit Spielen und Musik im Auto lustig los, außerdem wurden bereits erste Pläne für die kommende Freizeit geschmiedet.

Ankunft, Hüttenbezug und erster Abend

Bei Ankunft in Tirol regnete es heftig und so hieß es, zunächst alle Sachen schnell und halbwegs trocken ins Haus zu bringen, die Hüttenschuhe herauszusuchen und dann die urige Hütte der DAV-Sektion Kampenwand gründlich zu erkunden, die zwei großen Schlaflager zu beziehen und sich dabei gegenseitig kennen zu lernen. Die vier mitgereisten Betreuer halfen ein wenig bei der Organisation, kümmerten sich um das Einheizen des gemütlich großen Kachelofens und die Vorbereitung des ersten Abendessens. Einer der daheimgebliebenen Papas hatte Spinat-Lasagne vorbereitet und uns mitgegeben, so dass bereits nach kurzer Zeit eine herrliche Mahlzeit fertig war. Allen schmeckte es beim gemeinsamen Essen in der gemütlichen Stube sichtlich und der mitgereiste Hunger wurde erfolgreich besiegt.

Dank vieler freiwilliger Helfer war danach schnell zusammen geräumt und der Abend konnte bei Spielen und Ratschen in entspannter Atmosphäre ausklingen. Die Jüngeren bauten Dörfer und Türme aus Bauklötzern und spielten Monopoly, während die Älteren sich gegenseitig ihre Lieblings-Kartenspiele erklärten und mit viel Lachen gemeinsam spielten. Die Aufregung und die vielen neuen Eindrücke sorgten dann aber auch dafür, dass es doch irgendwann alle in die Lager zog und so nach und nach Ruhe im Haus einkehrte.

Samstag - Regen vertreibt uns vom Fels

Der nächste Morgen brachte zum Vorschein, dass Frühaufsteher und Längerschläfer in denselben Räumen lagen – wie es auf Hütten nun mal so ist. Die Nacht war also für manche früher vorbei als gedacht, aber das tat der Laune keinen Abbruch, das Abenteuer des anstehenden Tages lag in der Luft und jeder war gespannt, was er so bringt. Beim Frühstück halfen wieder viele Hände mit; frisches Bäckerbrot, Honig, Marmelade, Nutella wurden auf den Tischen verteilt, Tee, Kaffee und heiße Schoki in Kannen gefüllt und schon konnte es losgehen. Jeder bereitete sich noch eine Brotzeit für den Tag mit Semmeln, Käse, Wurst, Salat und Gurken, Apfel und Bananen.

Die Abstimmung ergab, dass es viele an Felsen zum Klettern zog, auch weil die meisten bisher nur in der Halle beim Klettern und Bouldern gewesen waren. Als Ziel wurde der Klettergarten in Sebi auserkoren, der neben einer kurzen Anfahrt und kaum Zustieg auch viele leichte Routen für die ersten Schritte am Fels bietet. Beim Packen gab es dann noch einige Aufregung bis wirklich jeder auch alles benötigte Material beieinander hatte, aber irgendwann saßen doch alle mit Sack und Pack in den Autos und waren unterwegs Richtung Klettergarten. Der Himmel war zwar grau, aber alle waren guter Dinge, dass es wie im Wetterbericht beschrieben trocken bleiben würde.

Die Kletterhalle Ellmau

Doch als die ersten zwei Topropes in der Wand hingen, die Kraxler gegurtet und gerüstet bereits beim Aufwärmen und Mobilisieren waren, fielen die ersten dicken Tropfen. Ein Blick ins Inntal ließ wenig Hoffnung auf baldige Besserung und so blieb nur eine Planänderung: die Kletterhalle am Kaiserbad in Ellmau wurde das nächste Ziel und die Wahl war gut getroffen. Nach kurzer Fahrt stiegen wir in Ellmau – Ironie des Schicksals – bei Sonnenschein aus den Autos, und stürmten hochmotiviert in die wirklich schöne, noch ziemlich neue Halle. Anfangs waren wir die einzigen Gäste und konnten uns daher passende Routen frei wählen.

Nach einem erneuten Aufwärmprogramm und Einbouldern wurden fürs Seilklettern Zweier- und Dreier-Teams zusammengestellt und es ging in die Höhe. Wichtig war dabei, in den teils neuen Kletterteams Vertrauen aufzubauen, dass man sich auf die gegenseitige Partnersicherung verlassen konnte. Dabei sind die Tools Partnercheck und ordentliche Seilkommandos von entscheidender Bedeutung, eine gute Kommunikation innerhalb der Teams bereits die halbe Miete. Die Ellmauer Halle ist mit ca. 18 Metern höher als das aus Bernau bekannte Gefilde, so dass die Kraftausdauer der Kletterer in den längeren Routen ordentlich gefordert wurde. Auch die Schwierigkeitsbewertung ist etwas anders, so dass man sich auch dabei erst einmal neu orientieren musste. Die Zeit verging wie im Flug, wir waren weit über drei Stunden in den Routen unterwegs und so manch neuer Höhenrekord wurde dabei aufgestellt. Einige Jungen und Mädels wagten sich auch an Vorstiege, manche sogar das allererste Mal. Ausgepowert aber zufrieden verließen wir Ellmau am späten Nachmittag und kehrten in unsere Hütte zurück.

Spiel, Spaß und Hüttenleben

Es folgte eine Stunde Ruhen, Schlafen oder stille Beschäftigung um neue Energie zu tanken und danach ging es in der Küche rund: unter Achims Anleitung schnippelten einige Helfer Gemüse für eine Gemüse-Reis-Pfanne mit Curry, andere deckten die Tische und schon bald saßen wieder alle beisammen und hauten ordentlich rein. Nach dem Essen wurde die Küche wieder auf Vordermann gebracht und anschließend war blieb noch etwas Freizeit für Spielen und Gespräche. Der Tag war aber anstrengend, so dass es nicht allzu spät wurde und es in der Hütte ruhig wurde.

Sonntag - Wanderung zur Rudersburg

Der zweite und letzte Morgen startete vielversprechend mit einigen blauen Flecken am Himmel, alle waren wieder relativ früh auf den Beinen und während des Frühstücks wurde der Plan geschmiedet, direkt von Niederbreitenbach aus eine Wanderung auf die Felsbastion der 893 Meter hohen Rudersburg zu unternehmen. Schon vom Tal aus kann man im Wald oberhalb einer steilen Felswand ein großes Holzkreuz ausmachen, welches den Zielpunkt dieser durchaus anstrengenden Wanderung markiert.

Anfänglich ging es noch gemächlich durch den Ortskern von Niederbreitenbach und weiter über kleinere Asphaltsträßchen in den angrenzenden Bergwald. Bald wurden die Forstwege schmaler und schließlich mussten wir in einen engen Pfad abbiegen, der sich steil und steiler in endlosen Spitzkehren durch den Wald nach oben schlängelte. Ein paar kurze Pausen waren notwendig, bevor wir nach knapp 400 überwundenen Höhenmetern am besagten Kreuz anlangten.

Die Aussicht über das Inntal auf Kaisergebirge und Kitzbüheler Alpen beeindruckte uns alle. Tief unter uns lagen Kufstein, die Innschleife und Wörgl - selbst unser DAV-Haus konnten wir ausmachen. Die Überreste der namensgebenden Burg konnten wir übrigens nicht entdecken, vielleicht hat es ja auch nie eine heroben gegeben? Auf jeden Fall ist es ein wirklich eindrucksvoller Ort hoch über dem Tal!

Der Abstieg war auch noch einmal fordernd: schmale, steinige Steige mit Wurzeln, alles bereits von einer dicken Schicht Herbstlaub überzogen – jeder Schritt wollte gut gesetzt sein. Schließlich erreichten wir aber dieForststraße, welche uns nach Unterlangkampfen und von dort am Waldrand entlang zurück nach Niederbreitenbach führte.

Alle wanderten tapfer bis zum Schluß mit und freuten sich, als bei der Ankunft bereits die Tische mit frischen Semmeln, Wurst, Käse und Kuchen gedeckt waren. Wie gut schmeckt es doch nach einer ausgiebigen Bergtour!

Abschied von der Alpenvereinshütte

Nun neigte sich unser Aufenthalt aber tatsächlich dem Ende, es hieß Sachen packen und Küche, Bäder, Lager und Stuben wieder auf Glanz zu bringen. Mit den vielen Händen war das aber schnell erledigt und so blieb vor der Abreise sogar noch etwas Zeit zum Spielen. Die Heimreise verlief ruhig und am Abend konnten die Eltern ihre Kinder in Raubling pünktlich in Empfang nehmen. Beim Abendessen daheim in Familie gab es jede Menge zu erzählen und alle freuen sich bereits jetzt, wenn es das nächste Mal heißt: „Wer fährt mit uns zur Hütten-Gaudi?“

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